Das Streuobstwiesen-Projekt der GS Kirchheide

Das Klassenzimmer im Grünen – Raus auf die Streuobstwiese!

Kinder, gerade Grundschulkinder sind besonders neugierig und nehmen insbesondere Lehr- und Lerninhalte mit handelnden Elementen, Bewegungsinhalten und außerschulischen Partnern mit großer Freude und größtem Interesse wahr. Sie sind sensibel für die Umwelt, Nahrung und ihren eigenen Körper. Sie sind auch für ihre eigene Gesundheit zu begeistern.

In der unmittelbaren Nähe unserer Schule befindet sich eine Streuobstwiese der Stadt Lemgo. Der BUND ist Ansprechpartner (Herr Buschmeier) für die Streuobstwiese.

Kinder und Lehrkräfte der Grundschule Kirchheide Schule dürfen die Streuobstwiese seit März 2019 als grünes Klassenzimmer nutzen.

Für die Projektdurchführung „Das Streuobstwiesen-Projekt der GS Kirchheide, „Das Klassenzimmer im Grünen – Raus auf die Streuobstwiese!“ steht neben den jeweiligen Klassenlehrerinnen, Anne Stoppe, eine ausgebildete Umweltpädagogin zur Verfügung.

In Zusammenarbeit mit der Umweltbildungsstätte Rolfscher Hof erleben Kinder eines Jahrgangs den Jahreszyklus „ihrer“ Streuobstwiese. Der Klassenraum wird für fachliche Einführungsphasen genutzt, anschließend erschließen die Kinder die Themenmodule mit allen Sinnen „unter freiem Himmel“.

In Abstimmung mit den Unterrichtsthemen des Lehrplanes und den Interessenschwerpunkten der Lerngruppe stehen z.B. folgende Themenbereiche zur Verfügung:

  • Vögel auf der Streuobstwiese
  • Wildbienen und Imkerei
  • Bau von Insektennisthilfen
  • Spurensuche
  • Wer lebt denn hier?
  • Wiesenblumen
  • Kleine Kräuterkunde
  • Insekten und Kleintiere
  • Nützlinge sind Schützlinge
  • Obsternte und Verwertung
  • Saftpressen mit den Kindern
  • Erntefest mit Eltern/Kindern

Als „Gute gesunde Schule“ (Schulentwicklungspreis 2008, 2011, 2014, 2018, 2022) und Schule der Zukunft arbeiten wir aktiv mit dem NaBu Rolfscher Hof und dem KlimaPakt des Kreises Lippe zusammen.

Die Grundschule Kirchheide nimmt an der Kampagne der „Schule der Zukunft“ seit 2012 teil. 

Das Projekt Streuobstwiese ergänzt sich mit den Zielen des bestehenden Netzwerkes der Schule. Durch das Einbeziehen einer Umweltpädagogin erleben die Kinder den Lebensraum Streuobstwiese aus fachlicher Sicht, die Lehrkräfte wurden und werden dabei zu Multiplikatoren ausgebildet. Das Projekt Streuobstwiese unterstützt den ganzheitlichen pädagogischen Ansatz, Lerninhalte in echten Anwendungssituationen sinnhaft zu erschließen.

Etwa ca. 10 Unterrichtsmodule in Kooperation mit Anne Stoppe (Streuobstpädagogin/Naturpädagogin) können die Kinder eines Jahrganges erleben.

Dabei ist uns besonders wichtig:

  • Kinder erleben in der realen Welt, ganzheitlich den Jahreszyklus einer Streuobstwiese
  • Die Kinder werden sensibilisiert auf ihre Umwelt und richten den Blick auf Vögel, Insekten und Tiere und Kleintiere, die auf der Streuobstwiese heimisch sind
  • Die Kinder lernen Pflanzen, Bäume, Wildkräuter und Blumen der Streuobstwiese kennen
  • Kinder erleben im Wandel der Jahreszeiten, das Wachstums von Äpfeln und anderem Obst von der Blüte bis zum essbaren Obst
  • Kinder werden sensibilisiert für eine gesunde Ernährung
  • Sie erleben ein ungespritztes gesundes Obst, als Nahrungsmittel
  • Sie lernen z.B. die Apfelsortenvielfalt kennen
  • Sie lernen die unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten von Äpfeln kennen
  • Sie lernen die Verwertung vom Apfel zum Apfelsaft kennen, indem sie die Äpfel zu Saft pressen

Mit einer Handpresse durften die Kinder selbstständig die Äpfel, die geerntet wurden, durch die Presse drehen. Ein Tisch auf dem Schulhof war unsere Arbeitsfläche zum Waschen, Schneiden und Häckseln. Der erste Durchgang war noch zum Üben, aber dann wurden die Kinder immer selbstständiger.

  • Kinder werden sensibilisiert und erhalten ein Bewusstsein für regionale Versorgung
  • Bewegung von Kindern an der frischen Luft, im realen Raum, wird gefördert und intensiviert
  • Bewegung entlastet Stressoren, Kinder sind nicht mehr so schnell aggressiv, ihre Impulskontrolle ist verstärkt
  • emotionales und soziales Stressmanagement der Kinder wird gestärkt
  • Die Kinder bewegen sich in der Natur, insbesondere für übergewichtige Kinder oder Kinder mit geringen Bewegungsimpulsen ist dies sehr wichtig.

Kooperationsspiele auf der Streuobstwiese

Gemeinschaft wird gefördert!

Jährlich nehmen 40 – 50 (jeweils 2 Klassen der Grundschule) Kinder am Projekt teil.

Zusätzlich nehmen jährlich ca. 100 Eltern, indirekt und etwa 70 Großeltern direkt (Großelterntag), teil. Wir erreichen mit unserem Projekt die Familien der Kinder.

In der Corona-Pandemie Frühjahr 2020- bis Frühjahr 2022 war dieses Projekt die einzige Möglichkeit Eltern und Großeltern im System Schule willkommen zu heißen, da es draußen stattfand und genug Abstand ermöglichte.

Wichtig zu erwähnen ist, dass das Projekt für einige Kinder der GS Kirchheide in der Corona Pandemie die einzige Anbindung an ihre Klasse, ans System Schule war, da durch die Eltern ein Verbot bestand (Angst vor Corona, Missbilligung der Schnellteste und PCR-Teste, Missbilligung der Maskenpflicht), dass die Kinder am Unterricht im Klassenraum teilnahmen.

Erwähnenswert ist auch, dass der Aggressionsspiegel der Kinder, der merklich in den zwei Jahren Corona-Pandemie angestiegen ist, auf der Streuobstwiese weniger wurde. Hier wurde deutlich, dass unser Ziel, die Stressfaktoren der Kinder positiv zu beeinflussen, zutraf.

Mit dem Projekt „Das Klassenzimmer im Grünen – Raus auf die Streuobstwiese!“ wird Kindern die Möglichkeit gegeben, in einem „FreiRaum“ die Welt und die Natur erleben, begreifen und erforschen zu können. Das bedeutet ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand.
Die Kinder erfahren wieder eine Naturverbindung. Sie erleben „ihre“ Streuobstwiese ein ganzes Jahr lang und bekommen so einen ganzheitlichen, realen Einblick in ökologische Zusammenhänge.
So kann eine Wertschätzung und Achtsamkeit gegenüber allem Lebendigen entwickelt werden. Denn nur was wir kennen und lieben lernen, können wir nachhaltig schützen. Dieses ist auch ein wichtiger Ansatz für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

Zusätzlich war und ist für die Kinder der GS Kirchheide die Streuobstwiese ein Ort der „unbelasteten Kindheit“. Draußen konnten die Kinder, unter Beibehaltung der Abstandsregeln, die Maske herunternehmen. Die Kinder konnten sich ansehen, ihre Mimik sehen, sie konnten singen. Bis Mai 2022 bestand in allen Räumen der Schulen in NRW – Maskenpflicht. Niemand hätte im Mai 2019 daran gedacht, dass das Projekt eine solch große Bedeutung bekommt.

Inzwischen ist ein weiterer wichtiger Punkt dazugekommen. Die GS Kirchheide hat viele ukrainische Flüchtlingskinder seit Februar 2022 aufgenommen. Diese Kinder sind zum großen Teil traumatisiert, entweder völlig schüchtern, in sich gekehrt oder aggressiv. Ihnen hilft das naturgebundene Tun auf der Streuobstwiese ihre Erlebnisse zu verarbeiten und ein „sprachfreies Miteinander“ zu erfahren.

Die Nachhaltigkeit ergibt sich über die Aufnahme des Projektes “Streuobstwiese“ ins Schulprogramm der Schule und die fortlaufende Arbeit in den nächsten Jahrgangsstufen der Schule. Die Steuergruppe bleibt bestehen und ist Ansprechpartner für die folgenden Jahrgänge. Die Kollegen werden zu Multiplikatoren für das Team ausgebildet.

Die Evaluation des Projektes erfolgt immer zu Ende eines Jahreszyklus mit den Lehrenden, der Schulleitung, der Umweltpädagogin und der Steuergruppe „Streuobstwiese“. Das Projekt wird in jeder Schulpflegschaft/Schulkonferenz den Eltern, insbesondere neuen Eltern vorgestellt. Von Februar 2020 – März 2022 haben alle Gremien wegen der Pandemie online getagt.

Zurzeit fördert und finanziert die AOK Lippe das Streuobstwiesen-Projekt. Wir wünschen uns sehr, dass „Das Streuobstwiesen-Projekt der GS Kirchheide,  – Das Klassenzimmer im Grünen – Raus auf die Streuobstwiese!“ auch nach Beendigung des Projektzeitraumes von der AOK gefördert wird.

Die Implementierung des dargestellten Projektes ins Schulprogramm wünschen sich alle Beteiligten, vor allem die Kinder, Lehrenden, Erzieher und Eltern der Schule. Ausschlaggebend wird für die Zukunft die Finanzierung des Projektes sein.

Sabine Tewes-Wittig

Schulleiterin

20.20.2022